Ich bin nicht ich


Ich bin nicht ich!
Ich bin JENER,
der an meiner Seite geht, ohne dass ich IHN erblicke,
den ich oft besuche,
und den ich oft vergesse.
JENER, der ruhig schweigt, wenn ich spreche,
der sanftmütig verzeiht, wenn ich hasse,
der umherschweift, wo ich nicht bin,
der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe.
(Juan Ramon Jimenez, span. Nobelpreisträger für Literatur)



Hallo Logik, hast du mal einen Moment Zeit für mich, ich hätte da mal eine Frage an dich?

Ja, kein Problem, ich habe gerade Zeit, was willst du denn von mir wissen?

Kannst du dir vorstellen, tolerant zu sein?

Wie bitte? Ob ich mit vorstellen kann, tolerant zu sein? Lass mich mal kurz darüber nachdenken!

Lass dir ruhig Zeit!

Tolerant, tolerant, tolerant... – ja, kann ich, tolerant zu sein scheint mir im Grunde nicht unlogisch zusein!

Sehr gut! Tolerant sein bedeutet, etwas zu akzeptieren, das einem selbst nicht innewohnt, das einem fremd oder gar gegenteilig ist!

Und was wäre dies in meinem Fall?

Die gerade von dir angesprochene Unlogik. Denn du sagtest ja, dass es prinzipiell nicht unlogisch für dich sei, tolerant zu sein!

Was ist das eigentlich, Unlogik?

Das kannst du nicht erfassen, weil die Unlogik das WESENtliche Gegenteil von dir darstellt!

Was entspricht denn meinem Wesen?

Kontrolle!




Und was wäre dann das ominöse Gegenteil?


Vertrauen!


Was ist denn das WESENtliche am Vertrauen?


Nicht denken müssen! Einfach genießen!


Geht denn so etwas überhaupt? Ich denke, so etwas ist unmöglich!


Warum sollte so etwas nicht möglich sein? Nur weil es dir fremd ist? Du sagtest doch soeben, du kannst dir vorstellen, tolerant zu sein!


Richtig, hatte ich glatt einen Moment lang vergessen! - Sorry!



Kein Problem, Vergessen ist ja auch irgendwie logisch!


Und somit auch menschlich, nicht wahr?


Ja, auch menschlich. Du bist übrigens derZEIT ein Attribut des Bewusstseins, das den Menschen
innewohnt – also eine Eigenschaft!



Toll, ich gestalte also das derzeitige Bewusstsein!


Ja, und noch dazu zu einem Großteil!


Zu einem Großteil? Das klingt ja ganz so, als wäre da noch etwas anderes außer mir mit im Spiel?


Ja, auch das Gegenteil von dir ist mit im Spiel, das Reglement des Spieles – die Dualität – erfordert dies!


Also ist das Vertrauen auch mit dabei?


Ja, das Vertrauen ist auch mit dabei. Aber das sitzt die meiste ZEIT geduldig auf der Ersatzbank und wartet, dass es endlich voll in Aktion treten kann!


Tja, da kann man nichts machen, ist eben gerade mein Spiel!
Ist außer mir und dem Vertrauen noch etwas mit im Spiel?



Ja, ein naher Verwandter von dir, die Phantasie, auch Imagination oder Vorstellungskraft genannt. Und dann noch die Angst, der Zweifel, die Hoffnung, die Freude, die Intuition, der Hass und die Liebe, um nur die wichtigsten zu nennen. Und nicht zu vergessen, der Humor, bei dem es sich im Prinzip um eine überaus GEN-iale Schutzfunktion handelt!


Angst, Zweifel, Freude, Hass, Liebe... – das sind doch Gefühle?


Nein, das sind im Grunde keine Gefühle, sondern Prinzipien. Also grundlegende Gesetzmäßigkeiten oder Veranlagungen, die Gefühle hervorrufen. Das ist ein Unterschied!


Na, wie dem auch sei, jedenfalls, wenn ich mich so betrachte, wer oder was da so alles mit im Spiel ist, dann sind wir sicherlich ein starkes Team!


Ja, ihr seid wirklich ein starkes und außerordentlich effizientes Team, und wenn ihr voll und ganz erfassen würdet, an WAS ihr derZEIT mitmischt, dann würde euch schlicht und ergreifend der Schlag treffen. Oder besser gesagt diejenigen, auf die ihr derZEIT einwirkt!

Das klingt ja sehr geheimnisvoll!

Geheimnisvoll ist nicht so ganz der richtige Ausdruck dafür, es gibt einen, der treffender ist!

Und der wäre?

PHÄNOMENal!

Sag mal, jetzt interessiert es mich langsam, wer oder was bist du eigentlich?

Ich bin das EIN-zige, das existiert. Ich bin pures BEWUSSTSEIN!

Ist ja interessant! Du bist also das, was ich derZEIT bedenke – also mit Logik versorge!

Ja, das bin ICH!
Wobei die Betonung, was dich anbelangt, auf „derZEIT“ liegt!


Warum liegt die Betonung, was mich anbelangt, auf „derZEIT“?

Weil es mich quasi zweimal gibt. Einmal innerhalb der ZEIT und einmal außerhalb der ZEIT!
Innerhalb der ZEIT bin ich unwirklich (illusorisch), außerhalb der ZEIT bin ich WIRKLICH!
Im ersteren Part bin ich ohnmächtig, also passiv, im letzteren Part bin ich allmächtig, also aktiv!


Warum gibt es dich denn zweimal?

Weil dies meiner PHÄNOMENalen Art und Weise entspricht!

Was ist denn ein PHÄNOMEN überhaupt?

Ein Phänomen ist etwas, das ganz und gar nicht deiner Art und Weise entspricht!

Und das bedeutet?

Das Problem liegt momentan darin, dass ein PHÄNOMEN, seinem Wesen entsprechend, absolut
unerklärbar ist, und im Gegensatz dazu dein Wesen auf Erklärbarkeit basiert!


Ist soweit durchaus logisch nachvollziehbar, aber du hast das Wort „momentan“ erwähnt. Warum?

Weil ES jetzt an der Zeit ist, dass dem der-ZEIT-igen Bewusstsein sein PHÄNOMENaler Ursprung
bewusst wird!


Warum hast du gerade das „ES“ so betont?

Weil das PHÄNOMEN, das nichts anderes als pures BEWUSSTSEIN ist, unpersönlich ist. Also weder eine Sie noch ein Er, sondern ein ES!

Seltsam, ich wirke immer auf Bewusstsein, das persönlich ist. Auf männliche und auf weibliche Personen!

Das liegt daran, dass du derZEIT nicht auf pures BEWUSSTSEIN wirkst, sondern auf die grundlegende Eigenschaft von BEWUSSTSEIN, auf bewusstes SEIN!

So und hier geht es weiter und zwar auf Seite 6



Lebensführung



Vortrag Rudolf Steiners über Lebensführung
Düsseldorf 20.01.1905



Es kommt bei der Lebensführung darauf an, die zwei Gesichtspunkte ins Auge zu fassen: Die eigene Vervollkommnung und unser Wirken im Dienste der Menschheit. Es könnte er scheinen, als ob die eigene Vervollkommnung des Egoismus befördert. Das tut sie auch in gewissem Grade. Aber der Anthroposoph muss fort und fort versuchen, seine Mitmenschen zu helfen- Es heißt: „Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.“ Unser Wahlspruch muss sein: Du wirst umso mehr von der Welt erhalten, je mehr du bereit bist, der Welt zu geben.“

Die in der Entwicklung Vorwärtskommenden können erleben, dass man am besten vorwärts kommt, wenn man im Sinne dieser Sätze lebt.

Man glaubt gewöhnlich, durch Studium komme man vorwärts. Aber man kommt vorwärts durch die geringste Handlung des Mitgefühls. Können sich die Menschen überwinden, eine Wohltat zu tun, kommt ihnen zu, was sie vorher durch Studium vergebens gesucht haben. Man muss das Leben zur Lektion machen.
Die Menschen bilden sich ihre Grundsätze aus Urteilen heraus. Die Ansichten muss man sich abgewöhnen, die aus Neigung oder Abneigung sich gebildet haben. Man muss ein Urteil bilden auf dem Grunde der Erfahrung. Ein etwas fortgeschrittener Okkultist gewöhnt sich systematisch seine Sympathien und Antipathien ab. Bei jeden neuen Menschen lässt er das zu sich sprechen, was er sieht an den Menschen.

Möglichst wenig Meinungen wird der Theosoph sagen, aber Tatsachen, die auf dem physischen Plan oder dem anderen Plänen erlebt hat. Wenn wir in dieser Weise in der Erkenntnis vorwärts schreiten, wandelt sich unser ganzes Leben um. Der Theosoph sucht sein Denken so umzubilden, dass das Leben zu ihm spricht. Er sagt sich nicht: Dies ist ein Verbrecher, das ist ein Heiliger, oder dies ist eine gute, das eine schlechte Handlung. Er denkt vielmehr bei dem Verbrecher daran, wie dieser zu einer Handlung gekommen sein mag, ob er selbst vielleicht daran schuld ist, mitschuld ist. Der Verbrecher könnte in einem früheren Leben in Beziehung zu ihm gestanden haben, er könnte z.B. ein Schüler gewesen sein, den er nicht richtig erzogen hat. Der Unentwickelte benutzt sein Denkvermögen zum Kritisieren, der Entwickelte sucht Gesichtspunkte, von denen aus er die Dinge betrachtet er sucht die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung.
„Beachtet wohl das Symbol der Schlange“, wird dem okkulten Schüler eingeschärft. Man muss die ganze Welt von dem Gesichtspunkte von Karma und Reinkarnation betrachten.

Das ist die Schlange, die sich ringelt und sich selbst in den Schwanz beißt. Wenn man die Welt unter dem Gesichtspunkt von Karma und Reinkarnation betrachtet, so wird diese Symbol zur Tatsache. Wenn der Mensch sich so einem Mittelpunkt schafft, wird er gerecht gegen die ganze Welt. Er lässt jegliches Ding in seinem Rechte bestehen. Wir schreiten in unserer Lebensführung vorwärts, wenn wir den Menschen selbst nicht beurteilen, sondern ihn stehen lassen und verstehen. Wir nehmen dadurch einen Schleier von uns fort. Das Urteil bildet vor unseren Augen einen Schleier. Es ist das Verwunden, von dem in dem „Licht auf den Weg“ gesprochen wird. (Eh von den Meistern kann die Stimme sprechen, muss das Verwunden sie verlernen)

Damit schaffen wir uns nicht nur die Möglichkeit, ganz objektiv uns zu verhalten, sondern wir schaffen uns einen festen Kern.
Ein Mensch der mir unsympathisch ist, an den verliere ich mich selbst. Wenn ich mein Gefühl der Antipathie unterdrücke, so lasse ich ihn auf seinem Standpunkt stehen und bleib selbst auf meinem Standpunkt. Dadurch gewinnt man eine absolute feste Stütze. Wenn man sich Neigungen und Antipathien hingibt, gerade dadurch wird man lieblos, aber nicht durch das objektive Verhältnis. Dann kann die Selbstbeobachtung in fruchtbarer Weise einsetzen. Dann können wir ungemein viel von der Welt lernen, wenn wir die Dinge an ihrem Orte stehen lassen. Auch der Weiseste kann von einem Kinde viel lernen, von Tieren, Pflanzen etc., wenn wir die Dinge an ihrem Orte stehen lassen.
Gewöhnlich sagt der jenige, der vollkommener werden will bei machen Dingen, das kann ich nicht tun, denn muss das Vollkommenen tun. Es ist nicht immer richtig, seine Vervollkommnung als ersten Grundsatz zu befolgen z.B. nicht, wenn man die andern Menschen dadurch stark verletzt.

Zum Vollkommenheitsstreben gehört auch Resignation. Z.B. jedes Töten hält die okkulte Entwicklung zurück. Aber mit Rücksicht auf unsere jetzige Kultur muss man oft auf einen Grad der Vollkommenheit verzichten. Dadurch, dass man sich absondert kann man vollkommener werden, aber vielleicht andern Leid zufügen. Es ist eine recht gefährliche Art, bloß in abstraktem Sinne auf die eigene Vervollkommnung zu sehen. Wir sollen in dem Kulturmillieu arbeiten, indem wir sind und nicht herausfallen aus unserer Kultur. Wir gewinnen unsere Freiheit nur dadurch, dass wir mit Gelassenheit die Welt durchschreiten, objektiv werden. Vorwärtsstreben und Resignation gepaart sollen wir in der richtigen Art auf uns wirken lassen.
Man gewinnt viel für seine Festigkeit, wenn man z.B. nach einem Ding, was man gern wissen möchte, nicht fragt. Man muss sich dann fest vornehmen, das nicht zu fragen.

Ebenso kann man den Mitteilungstrieb unterdrücken oder sich eine Gewohnheit abgewöhnen. Man beachte die kleinsten Kleinigkeiten des Lebens, denn in der Betrachtung der kleinsten Kleinigkeiten des Lebens liegt das richtige Entwicklungsmittel. Wir müsse niemals nur um unsretwillen die Welt behelligen, sondern nur um der anderen Willen. Je mehr man au die anderen hinhorcht, desto freier wird man.
Damit hängt zusammen die Fähigkeit zum Erringen eines allerersten Urteils. Man muss nicht ohne Weiteres die vorhergehenden Erlebnisse für nachfolgende maßgebend sein lassen. Man muss ein Ding ganz unbefangen auf sich wirken lassen können. Das ist der Glaube in den theosophischen Schriften. Der macht die Bahn frei für ein objektives Wirken in der Außenwelt.
Man muss sich zwischen den Zeilen des Lebens vervollkommnen. Dasjenige befördert am meisten die Entwicklung des Menschen, wovon der andere am allerwenigsten bemerkt.

http://www.uranosarchiv.de/uranosarchiv/Vortraege/Unveroeffentlichte%20Vortraege/050120_3pp-DSC03945_.pdf

ICH und ich

ein Märchen für Erwachsene und für Kinder von Francoise Egli (Autorin)
Es waren einmal zwei Freunde, das Kleine und das Große Ich.

Sie waren immer zusammen, von frühmorgens bis spätabends, am Tag und in der Nacht. Niemanden war es je gelungen, sie zu trennen.


Sie fühlten sich glücklich miteinander und spielten und sprangen umher und freuten sich des Lebens in vollkommnender Harmonie und Eintracht. Sie liebten einander und wurden geliebt.

Sie befanden sich im Pradies in vollkommender Einheit, verbunden durch ein unsichtbares Band. Das Große Ich war der Weisere von beiden, er verfügte über ein großes Wissen über alles, vom ganzen Universum, und das Kleine Ich liebte es, den Geschichten des Großen Ichs zu lauschen.

Eines Tages aber hatte das Kleine Ich genug der weisen Ratschläge seines Freundes. Es hatte Lust zu hören, was anderswo in der Welt erzählt wurde. Es hatte gehört, daß es eine Welt voller Überraschungen gebe, voller Schmerz und Unglück, und es fragte sich, wie diese Welt wohl ausschauen mochte.

Eines frühens Morgens, ohne seinem Freund, dem Großen Ich, ein Wort zu sagen, brach das Kleine Ich zum großen Abenteuer auf.

Und das GROßE ABENTEUER begann.

Das Kleine Ich verlor sogleich einen goßen Teil seines Augenlicht. Es sah nicht mehr das wunderbare und warme Licht, das bis dahin sein Wesen gewärmt hatte, stattdssn machte es die Erfahrung der geheimnisvollen Finsternis.

Halb erblindet lief das Kleine Ich lange lange Zeit. Zu Beginn war es von dieser Entdeckungsreise in der Welt des Schmerzes fasziniert.

Es traf auf andere Kleine Ichs, die so waren wie es, und während Stunden und Stunden erfanden sie gemeinsam neue Welten, kritisierend, urteilend, vergleichend.

Sie nahmen sich äusserst ernst, und aufgeblasen von einem Gefühl der Wichtigkeit schliefen sie ein, im Glauben, daß sich hier das Glück befände.

Zu Beginn hatte das Kleine Ich noch das Gefühl, mit seinem Freund, dem Großen Ich in Kontakt zu stehen. Es meinte abends und manchmal auch tagsüber diese Stimme von fern her zu vernehmen. Aber je mehr es mit anderen Kleinen Ichs zusammen war, desto mehr empfand es diese freundschaftliche Stimme als störend.

Sie suggerierte ihm seltsame Dinge, die in völligem Gegensatz zu dem standen was es machen wollte. Und so kam es, daß sich das Kleine Ich immer weiter von seinem Freund, dem Großen Ich, entfernte.

Seine Sicht verschlechtete sich immer mehr, so daß es schlussendlich blind wurde. Und gerade es, das immer den Duft der Freude geatmet hatte, das immer Fröhlichkeit gewesen war, das sich niemals mit irgendwelchen Fragen rumgeplagt hatte, fing tatsächlich an, sich Sorgen zu machen: Wo mochte bloß sein Weg in dieser Finsternis sein?

Es begann, Emotionen zu verspüren

Angst - Unsicherheit - Freude von kurzer Dauer.
Es dachte:
Wenn ich Diplome habe..
Wenn ich Geld habe..
Wenn ich eine Familie habe..
Wenn ich..wenn ich .. und so erschuf es sich viele Wünsche, die alle äusserst schwierig zu verwirklichen waren in dieser vollkommenden Dunkelheit, die es umgab.


Es erhielt Diplome.
Es klammerte sich an seine Diplome, aber es war nicht glücklich, denn da waren andere, die hatten noch die viel besseren Diplome.

Es erhielt Geld.
es klammerte sich an sein Geld, aber es war nicht glücklich, denn da waren andere, die hatten noch viel mehr Geld.

Als es reich war, hatte es viele Freunde, als es arm war, verlor er sie alle, und es verstand, daß es keine Freunde gewesen waren.

Es führte ein wichtiges gesellschaftliches Leben, aber es rannte der Zeit nach und fürchtete sich schliesslich, nicht mehr genug Zeit zu haben.

Es trauerte der Vergangenheit nach, es hatte Angst vor der Zukunft.
Es verurteilte sich, beschuldigte ich.
Es wurde von allen Seiten angegriffen:
Von seinen Liebsten, von seinen Freunden...
Es wollte sich verteidigen, sich rechtfertigen, so kam es, daß das Kleine Ich in den Krieg zog.


Es wollte überall als gut gelten, es wollte sich für gute Zwecke einsetzen, es wollte den Unterdrückten helfen, es wollte gegen diese ungerechte Welt ankämpfen.

Das Kleine Ich gewann manche Schlacht,
doch eines Tages stellten sich ihm ein stärkere Gegener in den Weg.
Es wurde krank, sogar sehr krank, und spürte den Tod an seiner Seite.

Erschöpft und erschreckt von all der Finsternis, die es umgab, von dieser Leere, in der es sich befand, begann das Kleine Ich zu weinen.

Es weinte lange - eine Stunde - einen Tag - ein Jahrhundert - das weiß niemand genau. Es weinte, ohne als etwas anderes erscheinen zu wollen, das es gar nicht war. In diesem Augenblick war es bloß es selbst, denn es akzeptierte seine Schwäche..

Da spürte es eine Wärme in sich aufsteigen.
Es fühlte sich von einer schützenden Hülle umgeben, und nun hörte es eine Stimme, eien leise Stimme, eine Stimme wundervoll klar, lachend und voller Hoffnung, und es erkannte in dieser Stimme seinen Freund, das Große Ich.

Niemals war das Große Ich von der Seite seines geliebten Kleinen Ichs gewichen, doch in seiner großen Weisheit hatte es das Kleinen Ich nicht daran gehindert, seine Erfahrungen mit der Welt zu machen. Erfahrungen, die notwendig waren, damit das Kleine Ich verstand, wo sein richtiger Weg lag.

Das Kleine Ich war höchst erstaunt, seinen Freund zu hören, den es auf ewig verloren geglaubt hatte. So sprach das Große Ich zu ihm: Ich liebe dich, glaubst du, daß man diejenigen, die man liebt, verläßt?

Dank deiner Erfahrungen hast du die Angst, die Unsicherheit, die Leere kennengelernt, aber wenn du dich auf die Wärme der Liebe, die in dir wie auch in jedem anderen Kleinen Ich steckt, konzentriert hättest, hättest du keine Angst mehr gehabt, hättest du keine Furcht vor der Leere verspüren müssen.

Mein armes Kleines Ich, du scheinst ziemlich traurig und enttäuscht von deinem Abenteuer im Land der Dualität zu sein.

Oh, mein Großes Ich. Dich wieder zu hören wärmt mein Herz. Ich glaubte schon, für immer allein in dieser Welt der Korruption, der Lügen und des Streites zu sein.

Kleines Ich, du allein wolltest diese Erfahrung leben, denn niemand anders als du hast über dein leben entschieden. Hör auf zu urteilen, zu kritisieren; das führt dich nirgendwo hin. Du allein bist für deine Situation verantwortlich.

Aber bedauere nichts, wisse nur, daß was du auch immer getan hast, ich habe dich immer geliebt und beschützt. Kleines Ich, ich liebe dich mit einer urteilslosen Liebe, mit eine Liebe, die keine Grenzen kennt.

Oftmals hast du dich in Unsicherheit geglaubt. Du bist aber immer in Sicherheit. es genügt, daß du mit mir lebst - jeden Augeblick deines Lebens. Als du mich nicht mehr anhören wolltest, als du dich von mir getrennt hast, haben deien Probleme begonnen.

Kehre zu deiner Einheit zurück, Kleines Ich, denn dort befindet sich die Lösung für all deine Probleme!
Habe Vertrauen in mich! Du nennst mich Großes Ich, denn ich bin die universelle Intelligenz, die mit allen in Kontakt steht.

Du hast geglaubt, mit deinem Kopf erschaffen zu können. Wisse, daß der Kopf nichts erschafft, da ja alles schon da ist. Es reicht, wenn du mit dem Leben gehst, ohne Gewalt, ohne Gegenwehr, dann wird dir alles, was für dich gut ist gegeben werden.

Doch dazu musst du mir vertrauen.
Du hast dich für ziemlich intelligent gehalten mit deinem Kopf.
In Tat und Wahrheit hast du dir jedoch nur Probleme geschaffen.

Ich habe dich in einen Kampf gegen dich selbst aufbrechen sehen.
Ich habe dich n alle Richtungen rennen sehen auf der Suche nach dir selbst.
Ich habe gesehen, wie du dich verurteilst, kritisiert hast.
Ich habe dich vor Angst zittern sehen.

Oft habe ich versucht, auf mich aufmerksam zu machen, aber du warst zu beschäftigt, um mich zu hören. Du hast viel unnötigen Lärm gemacht, weißt du!

So habe ich halt gewartet, was du willst, ich habe eben viel Geduld.
Das Leben ist lang, ich habe alle Zeit, du übrigens auch, das weißt du doch, nicht wahr?

Komm mit mir, ich werde dir zeigen, wie faszinierend das Leben ist. Wisse, daß dich deien Emotionen immer weiter vom Leben weg entfernen. Sie hindern dich daran das einzig wahre Gefühl zu leben: DIE LIEBE GEGENÜBER ALLEM.

Mein Kleines Ich, das Leben ist einfach. Es genügt, daß du dem Leben für alles dankst. Du hast immer außerhalb von dir nach Antworten gesucht, dabei kommt doch alles von innen.

Dein Mangel an Vertrauen bewirkt alle deine Probleme. Warum kannst Du nicht mehr spüren, daß das Leben, das wahre Leben, dir nur Gutes will?

Alles was du getan hast, hat dich von deiner Quelle entfernt - dem Leben.
Du hast dich krampfhaft an allem festgehalten was sich bewegt. LAß LOS!

Du hast dir eine Welt der Illusionen erschaffen. Das as du Leben nennst, hat nichts mit DEM LEBEN zu tun. Verstehst du?

Je weiter du dich von deiner Quelle entfernt hast, desto mehr hast du meien Hosenträger gespannt. Un dje mehr du an ihne gerissen hast, um dich an irgendwelchen Illusionen festzuhalten anstatt zu leben, desto dünner sind sie geworden. Und wenn du weiterhin an Ihnen ziehen würdest, würden sie reißen, und das wäre dann das, was du Tod nennst!

Es genügt, deine Illusion loszulassen, und die Hosentäger werden dich, ähnlich wie eine Feder an den Ort deiner Quelle zurückbringen. Dorthin, wo das Vertrauen herrscht, die Sicherheit, die totale Kommunikation mit allem. Ist das nicht wunderbar?


Los, komm mit!
Steig auf meine Schultern, wie du es früher so gerne tatest, als du noch im Paradies warst, und ich werde dich führen.

Du brauchst es nur zu wollen, und du bist wieder dort. Ich bin da, ich warte auf dich, habe Vertrauen, das Paradies ist da - HIER und JETZT.

Das Kleine Ich spürte im tiesten Inneren, daß sein Freund die Wahrheit sprach.

Es hatte geglaubt, daß man auf dieser Welt besitzen müsse, daß man um jeden Preis jemand sein müsse, daß man sein Leben im Schweiße seines Angesichtes verdienen müsse... Und so hatte es alles verloren. Es verstand nun, daß all dies es außer sich gebracht hatte. Es hatte sich im Außenraum verloren.

Wie einfach ihm dieser Weg doch vorkam: Leben, ohne sich Fragen zu stellen, einfach nur im Vertrauen in der Wärme seines Großens Ichs.

So sprang es kurzerhand in den Rucksack ds großen Ichs und ging leichten Herzens leben, ohne all dies zu bedauern, was es durchgemacht hatte, und was es zurückließ, einfach nur dem Jetzt vertrauend mit dem Wissen, daß sich dort sein Glück befindet.

Ihr Kleinen Ichs, Ihr habt ein Großs Ich, doch jedesmal, wenn ihr Euch und anderen gegenüber einen lieblosen Gedanken aussendet, entfernt Ihr Euch von Eurem Großen Ich.

Nur ein einziger Gedanke der Liebe und ihr findet Euren Freund, das Große Ich, wieder.